24 - 05 - 2019

Chronik

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Götzendorf

Das Feuerlöschwesen war eine Pflichtaufgabe der Gemeinden. In einer Statistik über das Feuerlöschwesen im Bezirksamt Ebermannstadt vom 18. Mai 1887 zählt Götzendorf noch zu den 23 Gemeinden des Bezirks mit „Pflichtfeuerwehren“.

Die Mitgliederzahl belief sich auf 18 Feuerwehrmänner, technische Geräte waren:
1 Druckspritze ohne Saugwerk, zweirädrig 2 Hanfdruckschläuche ohne Normalgewinde.

Die Dienstleistungen im Jahre 1886 bestanden aus zwei Übungen. Der Feueralarm erfolgte mit Hornsignal. Zur Wasserversorgung dienten ein Brunnen und der Eggerbach. Es dürften verschiedene Gründe vorgelegen haben, den Feuerschutz auf Vereinsbasis zu stellen und die bis dahin bestehenden Pflichtfeuerwehren umzustrukturieren. Durch bessere Ausbildung und Übung konnten sich die Wehrmänner besser auf den Brandfall vorbereiten. Jeder Feuerwehrmann bekam seinen festen Platz mit einer bestimmten Aufgabe. Zunehmend widmeten sich die Freiwilligen Feuerwehren auch öffentlichen Aufgaben.

Diese Aspekte haben sicherlich auch zur Gründungsversammlung am 20. Januar 1891 geführt.

Bürgermeister Johann Dittrich schreibt in seinem Gründungsprotokoll: „Bei der heutigen Versammlung der Pflichtfeuerwehr wurde sofort beschlossen, eine freiwillige Feuerwehr zu gründen, was auch sofort geschah, man schreitet sofort zur Wahl der Chargen, und wurden gewählt:

1. Johann Dittrich, Bürgermeister, als der Vorstand und Schriftführer der   freiwilligen Feuerwehr
2. Konrad Herold, Ökonom, als Hauptmann
3. Johann Ochs als Bauwarth

Welches dieselben auch durch ihre Unterschriften bestätigen.“ Die Liste der 29 Gründungsmitglieder enthält neben Geburtsdatum und Funktion auch den Beruf (Stand), gibt uns somit einen Einblick in die Sozialstruktur des Dorfes.

 

Name Stand Charge Hs.Nr.
Dittrich Johann Ökonom, Bürgermeister Vorstand 7
Herold Konrad Ökonom Hauptmann 20
Krug Johann Dachdecker Obersteiger 13
Wolf Stephan Schneider Steiger 22
Betz Johann Bauer Steiger 10
Hofmann Georg Bauer Steiger 9
Krug Georg Schuhmacher Steiger 13
Büttner Georg Bauer   12
Sebald Johann Bauer Adjudant 16
Först Johann Schuhmacher Zugführer 5
Daucher Georg Bauer   11
Siegmann Johann  Schuhmacher   14
Wolfarth Georg Gütler Steiger 3
Ochs Johann Gütler Zugführer 21
Hattel Johann Gütler   29
Schick Sebastian Bauer   19
Nüßlein Georg Bauer   4
Ott Wolfgang Bauer   25
Bischof Georg Wagner   28
Wolf Johann Bauer   1
Schick Johann Weber   18
Haberberger Heinrich Müller   15
Ochs Georg Bauer   21
Schmitt Michael Dienstknecht   15
Baptistella Georg Bauer Hornist   27
Wolf Johann Bauer   23
Wolf Konrad Bauer   23
Siegmann Johann Schuhmacher   14
Goldfuß Johann Gütler   3

 

Die Freiwillige Feuerwehr in einem Jahrhundert

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Götzendorf wurde dem Bezirksamt nicht unverzüglich und ordnungsgemäß gemeldet. Am 20. Mai 1891 erhält der Bürgermeister ein Schreiben des Bezirksamtes mit der Anfrage, ob es sich bei der neu gegründeten Feuerwehr um eine freiwillige oder um eine Pflichtfeuerwehr handle. Im Falle einer Freiwilligen Feuerwehr seien die „Statuten“ zu übersenden und der Beitritt zum Bayrischen Landesfeuerwehrverband sofort bei der „Bezirksfeuerwehrinspection“ zu erklären. Pflichtgemäß antwortet Bürgermeister Dittrich mit einem „gehorsamsten Bericht“.

Nach wiederholtem gegenseitigen Schriftverkehr teilt endgültig am 18. Juni 1891 das Bezirksamt Ebermannstadt mit, „dass die Bildung der Freiwilligen Feuerwehr Götzendorf zur Kenntnis genommen wurde.“ Abschließend erfolgt noch die Anmahnung, „die Mitglieder durch fleißige Übungen zum Feuerwehrdienst heranzubilden.“

Schon ein Jahr nach ihrer Vereinsgründung musste sich die Freiwillige Feuerwehr Götzendorf bewähren. Infolge eines Blitzeinschlages am 28. September 1892 brannte die Scheune des Georg Nüßlein Hs.Nr. 4 nieder. Der Betroffene erhielt vor der Versicherung 510 Mark Entschädigung. Schaden erlitten auch das Wohnhaus des Johann Först Hs.Nr. 5 und die Scheune des Johann Kormann Hs.Nr. 6.

Als eine besonders archivalische Quelle erweist sich ein Kostenvoranschlag für ein Armenhaus mit einem Anbau zur Unterbringung einer „Feuerwehrspritze“. Der „Bezirkstechniker“ in Ebermannstadt unterbreitet 1894 der Gemeinde eine äußerst detailliert aufgeschlüsselte Kostenberechnung mit Bauplan, wobei der Vorbericht den Neubau eines Armenhauses begründet: „Indem das jetzt bestehende Armenhaus in Götzendorf ein altes, aus Steinfachwerk hergestelltes Gebäude ist, sowie in einem schlechten baulichten Zustande sich befindet und als Wohnung beinahe nicht mehr benützt werden kann, so soll an Stelle dessen ein neues Armenhaus, und zwar etwas vorgerückt gegen den Ortsweg zu, hergestellt werden. Dasselbe enthält zwei Wohnzimmer, Vorplatz, einen Anbau zur Unterbringung einer Feuerwehrspritze, sowie eines Abortes.“ Als Material werden vorgeschlagen: Bruchsteine fürs Fundament, Sandsteinquader fürs Mauerwerk, Backsteine für Giebel und Zwischenmauern, Steinfachwerk für den Anbau, Falzziegel zur Eindeckung. „Die Kosten für den Gesamtbau betragen bei dauerhafter und solider Arbeit 2750 Mark.“ Armenhäuser haben in dieser Zeit oft Obdachlosen und Bettlern, oft auch verarmten und kranken Mitbürgern als Bleibe gedient. Letzteres könnte für Götzendorf zutreffen.

Die „Aufnahms-Urkunde“ vom 10. Mai 1905 für die Gemeinde Götzendorf zur Königlich Bayrischen Versicherungskammer nennt ein Versicherungskapital von 3800 Mark.
Im einzelnen sind versichert:

a) Das Gemeindehaus mit Anbau 1800 Mark
b) Die Kapelle 1430 Mark
c) Zugehörungen zu b) 570 Mark

Jahresbeitrag hat die Gemeinde 4 Mark 34 Pfennig zu entrichten.
Daß man auch schon 1908 gern nach Götzendorf zum Feiern ging, erfahren wir aus einem Gesuch der Gemeinde an das Bezirksamt, wonach der Krieger- und Militärverein Drügendorf um die Erlaubnis zur Abhaltung eines „Kriegerballes“ bittet. Untermauert wird das Schreiben mit dem Zusatz, die Veranstaltung solle in der „Haadlerischen Wirtschaft mit Zulassung der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr“ stattfinden.

Im Antwortschreiben wird schließlich mitgeteilt, dass im vorliegenden Falle die „Erteilung der distriktpolizeilichen Erlaubnis zur Abhaltung des Kriegerballes“ nicht erforderlich ist, nachdem die Veranstaltung sich nicht als eine „öffentliche Tanzmusik“ darstellt.
Dem Ball stand also nichts mehr im Wege.

Einen ersten gravierenden Einschnitt ins Vereinsleben brachte der Erste Weltkrieg. Das Dorf hatte mit Johann Gebhardt und Martin Sebald zwei Gefallene zu beklagen.

1926 tauchen Rechnungen über die Ausrüstung der Wehr auf. Im November bezahlt die Gemeinde 100 Reichsmark für geliefertes Schlauchmaterial, im Dezember nochmals 46 Reichsmark für zwei 10-Meter-Hanfschläuche mit eingebautem Gewinde.
Im gleichen Jahr löste auch in Götzendorf das elektrische Licht die Petroleum und Kerzenbeleuchtung ab.

Die Fahne und das neue Heim

Am 26.11.1988 fasste die Freiwillige Feuerwehr Götzendorf den Beschluss, ein Feuerwehrfest mit Fahnenweihe durchzuführen.

Die neue Fahne der Jubelwehr, finanziert durch und eine Haussammlung und Zuschüssen aus der Vereinskasse und der Gemeinde, zeigt den Heiligen Florian und die Götzendorfer Kapelle. Kein Motiv könnte treffender sein, denn die Grundsteinlegung der Ortskapelle erfolgte auch im Gründungsjahr der Freiwilligen Feuerwehr.

In Zusammenarbeit mit dem Schützenverein „Eichenlaub“ legten die Wehrmänner am 05.01.1991 das alte Feuerwehrhaus aus dem Jahre 1973 ein. An gleicher Stelle wird in Eigenleistung ein Gebäude entstehen, das als Vereinsheim und Feuerwehrhaus seine Zwecke erfüllen wird. Dieses konnte leider aufgrund langwieriger bürokratischer Genehmigungsverfahren nicht mehr rechtzeitig zum Fest fertig gestellt werden.

Die Patenschaft hat die Freiwillige Feuerwehr Drügendorf übernommen. Am 20. April trafen sich zur Patenschaftswerbung die beiden befreundeten Vereine bei zünftiger Blasmusik.
Höhepunkt im Vereinsleben sind das alljährliche Grillfest und das Schafkopfrennen. Wie die aufgezeigten Aktivitäten beweisen, ist das Vereinsleben in Götzendorf intakt, ein Zusammenhalt im Dorf vorhanden, wenn es darum geht anzupacken.

Das konnten die Götzendorfer 1991 mit ihrem großartig angelegten Feuerwehrfest ihren Gästen zeigen.

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